Die Geschichte von Barak

Abendmahl April 2019
Bildrechte: M. Hohmeier

Am 16. April trafen sich die Seniorinnen und Senioren zum Ende der Passionszeit wieder zu einem gemeinsamen Beisammensein in der Sozialstation St. Stephans. Auf dem Programm standen dieses Mal Gedanken zur Passionszeit von Diakonin Grunwald, gemeinsames Kaffeetrinken (auch Schokoladeneier und -Hasen fehlten nicht) reger Gedankenaustausch und ein gemeinsames Abendmahl.

Der Nachmittag war wieder gut besucht, bietet er doch Gelegenheit, den Alltag einige Stunden hinter sich zu lassen und sich mit anderen auszutauschen. Zu Beginn wurden drei Anwesende herausgehoben, da sie kürzlich Geburtstag hatten, oder im April noch haben werden. Es wurden einige Liedern gesungen, Frau Klopsch trug ein paar Gedichte vor. Danach wurde gemeinsam Abendmahl gefeiert. Wieder ein gelungener Nachmittag. 

Besonders beeindruckt waren die Seniorinnen und Senioren von der Geschichte von Barak, die Diakonin Grunwald vortrug. Vor allem das Ende war für alle unerwartet und eindrucksvoll. Deshalb ist sie hier vollständig aufgeführt. 

Die Geschichte von Barak

Es geschah vor vielen Jahren. Genau gesagt im Jahr 1915. In Armenien lebten nur wenige Christen. Sie hatten es schwer; denn die Mehrheit der Menschen dort waren Moslems, und die unterdrückten und verfolgten die Christen.
Eines Tages wurde ein Mann - nennen wir ihn Barak - verhaftet und eingesperrt. Er war für seine Klugheit und Freundlichkeit bekannt. Aber jetzt saß er in einer Gefängniszelle.
"Wenn du ein Christ bist, musst du sterben", so lachten ihn die Gefängniswärter us. "Sag doch deinem Glauben ab, dann kommst du wieder raus!"

Aber Barak schüttelte nur den Kopf.
Lieber wollte er sterben, als seinen Herrn Jesus verleugnen. Zu Hause hatte er ein Kreuz an der Wand hängen. Das war ein mutiges Zeichen. Aber Barak war es wichtig, dass er immer erinnert wurde an das Leiden und Sterben Jesu.
Jetzt hatte die Geheimpolizei dieses Kreuz gefunden. Dadurch kam Barak in die dunkle, feuchte Zelle.

Das Urteil wurde gleich am nächsten Tag über ihn gesprochen.
"Wenn du nicht deinem Glauben an Christus abschwörst, dann musst du sterben", rief der Richter. "Schwörst du ab?"
"Nein", antwortete Barak besonnen und ruhig.
"Dann verurteile ich dich zum Tod. Und - so fügte der Richter verständnislos und verächtlich hinzu, "das alles wegen diesem lächerlichen Kreuz. Wie kannst du, ein kluger und angesehener Mann, nur an einen Gekreuzigten glauben?"

Barak antwortete: "Ich glaube an ihn, und der Gekreuzigte ist auch mein auferstandener Herr!"

Der Richter geriet in Wut und ließ Barak in seine Zelle abführen. Dort sollte er auf die Vollstreckung seines Urteils warten.
Insgeheim aber hatte der Richter Achtung vor Barak bekommen. Wer so mutig zu seinem Glauben steht, ist nicht zu verachten, dachte er. Aber er konnte es nicht verstehen, warum jemand so hartnäckig an diesem seltsamen Kreuz hing. "Ein Schnitt - und sein Kopf ist ab. Und trotzdem lässt er sein Kreuz nicht los!"

Ein Schnitt - und das Kreuz. Der Richter hatte ein Blatt Papier in die Hand genommen. Er fing an zu grinsen. "Ja", sagte er leise zu sich selbst, "diesen Spaß gönn' ich mir." Er nahm das Blatt Papier mit, dazu eine Schere und eilte hinüber ins Gefängnis. Barak war verwundert, als der Richter plötzlich in der Zelle stand. Seine Hinrichtung war doch erst für morgen vorgesehen. Da erklärte ihm der Richter: "Du riskierst, dass dir der Kopf mit einem Schnitt abgehauen wird. Und das nur, weil dir das Kreuz so wichtig ist. Ich gebe dir eine Chance. Hier hast du ein Blatt Papier, dazu eine Schere. Wenn du mir morgen früh zeigen kannst, wie man mit einem einzigen geraden Schnitt aus diesem Papier ein Kreuz schneiden kann, dann schenke ich dir das Leben."

Barak begann zu grübeln. ein Kreuz - mit einem Schnitt aus einem Blatt Papier geschnitten? Der Richter erlaubte sich wohl einen Scherz, machte sich über ihn lustig. Oder?
Barak betete im Stillen, sah immer wieder das Blatt an, dachte stundenlang nach, begann das Blatt zu falten. Und dann - draußen tagte es schon - erhellten sich seine Gesichtszüge. "Ja, so muss es gehen", murmelte er.

Gespannt wartete er, bis sich die Zellentür öffnete und der Richter eintrat: "Nun?"
"Sehen Sie, Herr Richter", erklärte Barak, nahm das Papier, faltete es mehrmals, ergriff die Schere, tat einen einzigen geraden Schnitt und faltete das Papier wieder auseinander. "Hier ist das Kreuz, das Sie wollen. Aber nicht nur das Kreuz. Hier sehen sie den rechten, da den linken Verbrecher. Sie wurden mit Jesus gekreuzigt. Einer wendet sich Jesus zu, der andere von ihm ab. Dort ist der Speer des römischen Soldaten zu erkennen, der Jesus in die Seite stach. Und hier die Tafel, auf der das INRI stand. Und schließlich", Barak zeigte auf die letzten beiden kleinen Papierstücke, die noch übrig waren, "sehen Sie hier die Würfel, mit denen die Soldaten um das Gewand Jesu würfelten."

Alle Papierstücke hatte Barak zu einem Bild geordnet. Der Richter blickte den Gefangenen verblüfft an - und wies zu der offenen Tür.
"Eigentlich wartet draußen dein Henker. Nur ein Schnitt... Aber der Schnitt deines Kreuzes hat dir das Leben zurückgegeben. Geh nach Hause."
Und Barak ging zurück in sein Haus - und zu seinem Kreuz.

Quelle: unbekannt

Bastelanleitung

Wie Barak im Gefängnis können wir auch ein Kreuz aus einem Blatt Papier schneiden - mit nur einem einzigen Schnitt. Dazu musst Du zuvor ein DIN-A-4-Blatt folgendermaßen falten:

A. Knicke das Blatt Papier in drei ungefähr gleiche Teile, und streiche es wieder glatt:

Barak_1
Bildrechte: M. Hohmeier
Barak_1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

B. Falte nur das linke Drittel zur Mitte hin:

Barak_2
Bildrechte: M. Hohmeier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

C. Nun falte daraus ein "Häuschen"": Die obere linke Ecke zur Mitte, und die untere linke Ecke zur Mitte:

Barak_3
Bildrechte: M. Hohmeier
Barak_3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

D. Nun faltest Du das "Häuschen" auf die Hälfte:

Barak_4
Bildrechte: M. Hohmeier
Barak_4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

E. Dieses Papier musst Du noch einmal auf die Hälfte falten:

Barak_5
Bildrechte: M. Hohmeier
Barak_5

 

 

 

 

 

 

 

F. Nun kannst Du das (ziemlich dick gefaltete) Papier einfach, mit einem einzigen Schnitt, der Länge nach durchschneiden:

Barak_6
Bildrechte: M. Hohmeier
Barak_6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

G. Beim Auffalten kommt nun die große Überraschung, die Barak das Leben rettete. Wir erhalten nämlich folgende Teile:

  1. Das Kreuz - entstanden aus einem Schnitt.
  2. Der Golgatha-Felsen, der in der Todesstunde Jesu genau in der Mitte zerborsten ist.
  3. Die Tafel oben am Kreuz, auf der INRI (Iesus Nazarenus Rex Iudaiorum = Jesus von Nazareth, König der Juden) stand
  4. Der Speer, mit dem ein römischer Soldat Jesus in die Seite gestochen hat, um festzustellen, dass er schon tot war.
  5. Zwei Würfel, mit denen die Soldaten gewürfelt haben, der Gewinner des Würfelspiels bekam das Gewand Jesu.
  6. Der Mann, der mit Jesus zusammen gekreuzigt wurde und sich im Sterben noch Jesus zugewandt hat (der hieß übrigens Dismas).
  7. Der Mann auf der anderen Seite, der auch mit Jesus zusammen gekreuzigt wurde und über Jesus im Sterben noch lästerte (der hieß Gesmas).
Barak_7
Bildrechte: M. Hohmeier
Barak_7